Plötzlich wohnten 15 Leute in der Wohnung

 

Von Birgit Sommer

Da will einer mit dem Erwerb und der Renovierung eines Hauses sein Leben im Alter finanzieren. Doch die Aussichten sind düster. Zumindest für Holger S. „Eigentümer haben null Rechte“, klagt er, als er der Rhein-Neckar-Zeitung seine Geschichte einer Vermietung erzählt. Und das Schlimmste für ihn: Die Behörden ließen ihn „ganz schön hängen“. Lob hat er nur für den ehemaligen Polizeiposten in Ziegelhausen übrig.

Holger S. hatte im Sommer 2009 einen ehemaligen Gasthof in Ziegelhausen übernommen. Aus dem Jahr 1956 stammend, war das Gebäude ganz günstig zu haben, weil durchaus renovierungsbedürftig. Für Holger S. kein Problem. Als Selbstständiger befasst er sich seit 1997 mit dem Innenausbau bei Altbausanierungen. Da er nicht viel Rente zu erwarten habe, könne er im Alter vielleicht davon leben, dachte er.

Holger S. wollte nach und nach sanieren und dabei weiterhin preisgünstiges Wohnen anbieten. Doch zuerst stellte er fest, dass er keineswegs nur fünf Mieter in den drei Wohnungen beherbergte – darunter zwei Hartz-IV-Empfänger, die auch das Geld für die Miete, das sie vom Staat erhielten, nach wenigen Wochen gar nicht mehr an den neuen Vermieter weiter gaben. Einer von beiden vermietete zudem heimlich unter an seinen Sohn und andere Bekannte und verschaffte sich so ein Zusatzeinkommen.

Weil ihm die Leute nicht geheuer waren („Ich hatte schon Pistole und Messer gesehen“), wandte sich Holger S. an das Einwohnermeldeamt der Stadt Heidelberg. Dort habe man ihm unter der Hand (Datenschutz!) mitgeteilt, dass nicht fünf, sondern 15 Leute in seinen Wohnungen gemeldet seien. Namen erfuhr er nicht, aber man bot ihm an, seine offiziellen Mieter – sofern er deren Namen nenne und für jeden 35 Euro bezahle – anzuschreiben und nachzufragen, berichtet er. „Dass unrechtmäßig Wohnende vom Amt gewarnt werden, ist mir unverständlich“, sagt Holger S.

Er versuchte sein Glück beim Jobcenter der Stadt, da es sich bei dem Mieter um einen Hartz IV-Bezieher handelte. „Die haben sich für nicht zuständig erklärt.“ Er wurde zum Arbeitsamt geschickt, von da zum Landratsamt, dann zum Sozialamt der Stadt. Und das verwies ihn wiederum an das Jobcenter. Da fand Holger S. diesmal Gehör „Und ich merkte auch, dass meine Mieter für die keine Unschuldslämmer waren.“ Doch die Leute vom Jobcenter, die mit dem konkreten Verdacht auf Erschleichung von Leistungen in die Wohnungen hätten gehen können, taten es nicht. „Und ich als Vermieter habe kein Recht dazu.“

Ein Schreiben des Anwaltes von Holger S. wegen der illegalen Untervermietung ignorierte sein Mieter. Dafür holte er sich, als ihm die Stadtwerke den nicht bezahlten Strom abstellten, sein Licht aus dem Treppenhaus und von Leitungen, die er, so der Vermieter, heimlich zu den Nachbarn gelegt hatte.

Wegen der Hanfpflanzen auf dem Balkon griffen im Herbst aber schließlich die Ziegelhäuser Polizisten ein. Holger S.: „Die einzigen, die mir geholfen haben.“ Der Sohn des Mieters war offenbar gesucht worden. Ihn nahm die Polizei gleich mit, woraufhin der Vater die Wohnung in den nächsten Wochen völlig verkommen und vermüllen ließ. Damit nicht genug: In der Wohnung darüber, bewohnt von Stiefsohn mit Freundin, brach schließlich am Weihnachtsfeiertag ein Feuer aus, angeblich vom nicht ausgeschalteten Bügeleisen.

Seitdem hat Holger S. den Ärger nicht mehr mit den verschwundenen Mietern, sondern mit der Gebäudeversicherung. Diese will den Schaden seiner Meinung nach nicht adäquat ersetzen. Schließlich muss er wegen der gültigen Energieeinsparverordnung der Stadt bei Sanierungen eine teure Isolierung anbringen. Ein Haus ohne Isolierung des Daches – da war drei Jahre lang auch nichts mehr zu vermieten.

Mietausfall und eine Sanierung, die mindestens 200.000 Euro kostet – eine gute Versorgung im Alter ist das nach Meinung des 50-Jährigen nun nicht mehr. Und preisgünstige Wohnungen könnte er damit sowieso nicht mehr anbieten. Für seinen Ärger mit den verkommenen Wohnungen interessierte sich von allen angesprochenen Politikern überhaupt nur SPD-MdB Lothar Binding. Der ist Vorsitzender des Mietervereins Heidelberg und Umgebung. Er sah sich das Haus an, hatte laut Holger S. aber auch nur einen lauen Tipp für ihn: „Augen zu und durch“.

„Der Normalsterbliche findet bei niemandem Hilfe“, ist das Fazit von Holger S. Und: „Wenn ich ein normaler Berufstätiger wäre, wäre ich jetzt selbst Hartz IV-Bezieher.“

Gefunden bei:

http://www.rnz.de/heidelberg/00_20130820060055_106000411_Ploetzlich_wohnten_15_Leute_in_der_

Wohnung.html

Schönen Gruß an die Mietnomaden!

Der Heidelberger

Advertisements

Hier kann kommentiert werden!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

kritischerkommilitone

Nicht nur Kritik am Arbeitsamt

Pinksliberal

Quer • blond • frech • politisch • unlogisch • logisch • li(e)bertär

Aufgewacht

Ein Blog für alle, die aufwachen wollen!

Kulturstudio

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt.

Mywakenews's Blog

For all who want to wake up! Für alle die aufwachen wollen!