Leben mit Hartz IV: 60 Euro am Tag müssen reichen

So kalkulieren Jobcenter:

Leben mit Hartz IV: 60 Euro am Tag müssen einer vierköpfigen Familie reichen

Aktualisiert am Mittwoch, 04.09.2013, 18:13 · von FOCUS-Online-Redakteurin

Arbeitsmarktreformen, Deutschland, Peter Hartz, Hartz IV, Gerhard Schröder

dpa
Der Hartz-IV-Regelsatz steigt 2014 um neun Euro. Und wieder bricht eine Diskussion los: Ist das zu wenig oder gar zu viel? FOCUS Online zeigt anhand von Beispielfällen, mit welchen Summen Singles, Familien und Rentner auskommen müssen.
Prozentual gesehen können viele Deutsche von einem solchen Einkommensplus nur träumen: Der Hartz-IV-Regelsatz für alleinstehende Hartz-IV-Bezieher steigt Anfang 2014 um neun Euro auf 391 Euro; das ist ein Plus von 2,35 Prozent. Leben zwei Erwachsene in einer Bedarfsgemeinschaft, so erhalten sie jeweils 353 Euro, das sind acht Euro mehr als bisher. Für Kinder gibt es einen vom Alter abhängigen Zuschlag zwischen fünf und sieben Euro.Zum Vergleich: Die Rentner im Westen Deutschlands hatten sich zum 1. Juli mit einer Erhöhung ihrer Altersbezüge um 0,25 Prozent zufriedengeben müssen. Die Erhöhung lässt sich der Bund rund 360 Millionen Euro kosten, die Kommunen kostet sie etwa zehn Millionen Euro.

Arbeiterwohlfahrt: Nötig wären 450 Euro

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Anpassung dennoch als unzureichend. Die Bezieher von Hartz IV blieben „weiter abgehängt“, monierte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Der Chef der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Stadler, forderte eine Neuberechnung durch unabhängige Experten. „Die AWO ist sich sicher, dass der tatsächliche Bedarf bei mindestens 450 Euro liegt.“

Darüber, was den „tatsächlichen Bedarf“ ausmacht, lässt sich freilich streiten. In der Tat gibt es Haushalte, denen der Staat jeden Monat Summen überweist, die – im Vergleich zum Einkommen des durchschnittlichen Niedriglöhners – auf den ersten Blick recht stattlich anmuten. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass die Betroffenen davon in Saus und Braus leben können.

„Das Leben unter Hartz IV ist ein Leben am Rande der Gesellschaft“, kritisierte Ökonom Gustav Horn bereits im Jahr 2012.

Viel Spielraum bleibt nicht

Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass nach Abzug der Lebenshaltungskosten nicht viel finanzieller Spielraum bleibt. Nach der Vorstellung der Hartz-IV-Erfinder ist das auch richtig so – schließlich sollen die Empfänger einen Anreiz haben, sich aus der Job-Misere zu befreien und wieder auf eigenen Füßen zu stehen.

FOCUS Online hat beim Jobcenter Bochum und dem Jobcenter München Bedarfsrechnungen für vergleichbare Lebenssituationen eingeholt: für einen Singlehaushalt, eine vierköpfige Familie sowie ein Ehepaar über 50 Jahre. Bewusst wurden Regionen gewählt, die sich in Sachen Lebenshaltungskosten erheblich voneinander unterscheiden – da diese Posten die Höhe der Auszahlungen mit beeinflussen.

Die Fälle geben Aufschluss darüber, auf welche Beträge sich die Unterstützung vom Staat je nach Lebenslage summieren kann – und auf welche Posten sie sich im Einzelnen verteilt. Einer vierköpfigen Familie in Bochum gesteht der Staat beispielsweise 60 Euro am Tag zu.
Arbeitsmarktreformen, Deutschland, Peter Hartz, Hartz IV, Gerhard Schröder

Jobcenter München
Anmerkungen zur Berechnung:

– In allen drei Fällen gibt es im Bedarfshaushalt auch Einkommen, das – abzüglich eines Freibetrags – auf die Leistungen angerechnet wird

– Das achtjährige und das sechzehnjährige Kind der Familie erhalten Sozialgeld…

– …ebenso die Partnerin beim älteren Ehepaar – weil sie aus gesundheitlichen Gründen nicht erwerbsfähig ist

-Alle anderen erhalten Arbeitslosengeld II

– Die Familie erhält für ihre Kinder Kindergeld von der Familienkasse, das vollständig auf Hartz IV angerechnet wird. Inklusive Kindergeld ergeben sich für diesen Fall 74 Euro pro Tag, die der Familie an Hartz-IV-Leistungen zur Verfügung stehen – wobei dieses Geld zu einem beträchtlichen Teil in die Fixkosten fließt. Zusätzlich bekommt sie noch Leistungen aus dem Bildungspaket: Pro Kind gibt es für den persönlichen Schulbedarf 30 Euro zum 01. Februar und 70 Euro zum 1. August eines Jahres.

Und hier gibt es die Berechnung des Jobcenters Bochum:

Arbeitsmarktreformen, Deutschland, Peter Hartz, Hartz IV, Gerhard Schröder

Jobcenter Bochum
Anmerkungen zur Berechnung:

– Das Jobcenter Bochum ist von den aktuellen regionalen Durchschnittswerten ausgegangen; die genannten „alternativen“ Beträge ergeben sich, wenn man nicht den Durchschnitt, sondern das Maximum an anrechenbaren Wohnkosten ansetzt

– Bei der Familie und dem älteren Ehepaar gibt es eine Warmwasseraufbereitung, die nicht über die Heizungsanlage erfolgt. Dafür wird ein „Mehrbedarf“ gewährt.

– Die Familie erzielt mit einem Mini-Job ein Einkommen von 210 Euro, von dem ein Freibetrag von 122,00 Euro nicht auf die Unterstützung angerechnet wird.

– Sie bekommt Sozialgeld für die Kinder. Hinzu kommt das Kindergeld, das auch hier voll auf die Hartz-IV-Unterstützung angerechnet wird.

– In den anderen Fällen gibt es kein Erwerbseinkommen im Haushalt.

– In diesem Fall ergibt sich für die vierköpfige Familie ein Betrag von rund 60 Euro pro Tag.

Gefunden bei:
Der Heidelberger
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